Startseite
 
Aldus-Drucke
Einbände
Handschriften
Kelmscott
Erotica
Illustration

Plinius Caecilius Secundus, Gaius:
C. Plinii Secvndi Novocomensis epistolarû libri Decem, in q ...

 

 

Abbildung zu No. 1000, Plinius Caecilius Secundus, Gaius

 

Plinius Caecilius Secundus, Gaius — Kyriß Werkstatt 87 "Jagd-Rolle III" (Buchbinder): C. Plinii Secvndi Novocomensis epistolarû libri Decem, in quibus multae habentur epistolae non ante impressae. Tum Graeca correcta, et suis locis restituta, atq; reiectis adulterinis, uera reposita. Item fragmentae epistolae, integrae factae. In medio etiam epistolae libri octaui de Clitumno fonte non solum uertici calx additus, et calci uertex, sed decem quoq; epistolae interpositae, ac ex Nono libro Octauus factus, et ex octauo Nonus, Idq; beneficio exêplaris correctissimi, et mirae, ac potius uenerandae Vetustatis. Eiusdem Panegyricus Traiano Imp dictus. Eiusdem de Viris illustribus in Re militari, et in administranda Rep. Suetonii Trâquilli de claris Grâmaticis et Rhetorib. Iulii Obsequentis Prodigiorum liber. Epistolae decimi libri ad Traianum probantur esse Plinii in sequenti epistola. Inibi etiam liber de Viris illustribus, nô Tranq(ui)lli, sed Plinii esse (c)onditur.

Venedig: Aldus Manutius & Andreas Torresanus, 1508.  Octavo. 164 x 101 mm. [22], [2 weiße], 525, [2 weiße], [1] Seiten. – Lagenkollation: *8, **4, a-z8. aa-kk8. ❦ Werden nach den Formatangaben Maße in Millimetern genannt, beziehen sich diese auf die Blattgrößen, Höhe vor Breite, i. A. gemessen in den Buchblockmitten. Mit dem Holzschnitt-Signet Fletcher no. 3 auf dem letzten Blatt verso.

Handgefertigter brauner Ziegenledereinband der Zeit auf drei Doppelbünden und dünnen Pappdeckeln. Die Deckel mit Blindprägung aus einem Randrahmen bestehend aus einer breiten, von zwei schmalen flankierten Linie; es folgt eine Laubstabrolle; nach innen wieder von der breiten Linie abgesetzt. Mittig ein schmaler Bogenfries. Die Bünde sind auf dem flachen Rücken mit jener breiten Linie abgesetzt, die auch dessen Felder abwechselnd schräg in zwei Hälften teilt, auf denen sich je ein größerer fleuraler Stempel befindet. Reste von vier grünen Bindebändern; handgestochene blau/weiße Kapitale, Schnitt unverziert. Vorderer Vorsatz aus Spiegel und fliegendem Blatt, hinterer Vorsatz aus Spiegel, dessen Falz um die letzte Lage geschlagen wurde. Die Laubstabrolle (Kyriß, Tafel 177, Nr. 4 = Schunke: Schwenke-Slg., Laubstab 22) und der mehrfach auf dem Rücken verwandte Stempel (Tafel 177, Nr. 5) verweisen den Einband nach Augsburg: Kyriß Werkstatt 87 "Jagd-Rolle III"; dieser Binder, der "als der fruchtbarste in Augsburg anzusehen ist" (Kyriß, Text, S. 75), arbeitete zwischen 1481 und 1525, seine Einbände folgen stets dem hier verwandten Gestatungsprinzip, vgl. Kyriß Tafel 178. ❦ Werden innerhalb der Einbandbeschreibungen die Einbandgrößen angeführt, so steht Höhe vor Breite vor Dicke.
An dieser Stelle befindliche bibliographische Angaben beziehen sich auf den Buchbinder bzw. den Einband.

EDITIO PRINCEPS zahlreicher Briefe des jüngeren Plinius sowie des Textes von Julius Obsequens. “Neue Recension nach einer alten Handschrift und einem Manuscript des Jucundus Veronensis und sechs älteren zum Theil mit Handschriften verglichenen Ausgaben“ (Schweiger). “Nouvelle critique du texte sur deux mss. et six anciennes éditions“ (Graesse). “Cette édition, devenue d’une excessive rareté, est des plus précieuses sous plusieurs rapports, et peut être considerée comme une édition princeps, puisqu’elle contient 375 lettres divisées en dix livres, tandis que la précédente édition de Rome 1490 n’en contenait que 236 divisées en neuf livres“ (Firmin-Didot, S. 304). Die Überlieferung der Werke des Plinius ist nicht unproblematisch, der ’Panegyricus’ ist im Korpus der Panegyriker erhalten, der Briefwechsel mit Trajan jedoch nur in einem verlorengegangenen Parisinus auf uns gekommen, dessen erste Ausgabe durch Gerolamo Avanzio unvollständig blieb. Die Manuskripte der anderen Briefe teilen sich in drei Familien, die auf einen Archetypus zurückgehen. Das macht die Aldine aufgrund ihrer Vorlagen zu einem Quelltext. Vgl. Lowry: „The World of A.M.“, Ss. 244-245. Das zehnte Buch der Briefe, jene an und von Trajan, ist in seiner Geschlossenheit einmalig und von größter Bedeutung für unsere Kenntnis der Verhältnisse in den östlichen Provinzen des römischen Reiches. Es handelt sich bei den behandelten um Problemstellungen von nicht nur momentaner Bedeutung: So galt z.B. der Entscheid Trajans zur Behandlung der Christen (X,97) noch zur Zeit Tertullians als maßgeblich. “Zusammenfassend laßt sich sagen, daß wir mit diesen beiden Briefsammlungen eine einzigartige Dokumentation über eine der glanzvollsten Epochen der römischen Kaiserzeit besitzen: einerseits was ihre literarischen, politischen, gesellschaftlichen und rein menschlichen Verhältnisse und Anschauungen betrifft, andererseits darüber, wie das Leben in einer römischen Provinz damals aussah, welche Probleme sich dort stellten und wie deren Lösung versucht wurde.“ (André Lambert in Ausg. Zürich, 1969; S. 24). “C’est le premier volume dont la souscription mentionne l’association d’Alde avec son beau-père“ (Renouard). Erstmalig wird im Kolophon dieser Plinius-Ausgabe die zu jenem Zeitpunkt seit mehr als zwölf Jahren bestehende Partnerschaft von Aldus Manutius mit seinem Schwiegervater Andreas Torresanus erwähnt, vgl. Fletcher S. 75. Mit Textpassagen in der zierlichen vierten griechischen Type. “... Aldus had a gift for making a compact of all the qualities, intellectual and physical, that make up a book, by giving to each its proper and appropriate degree of attention, so that the whole became an integral sum of perfected parts.“ (Nicolas Barker: A.M. and the Development, S. 102).

Auf dem vorderen Vorsatz zwei Besitzeinträge des frühen 17. Jahrhunderts. Einband stellenweise leicht berieben, Gelenke teils etwas berieben, kleine Bezugfehlstellen am unteren Kapital sowie an zwei der Ecken und an der oberen Kante. Titel leicht fleckig bzw. fingerfleckig, letztes Blatt minimal fleckig, sonst nur vereinzelte, sehr schwache schmale Wasserränder im oberen Vorderrand weniger Blätter; wenige saubere Marginalien von alte Hand. Insgesamt ein frisches, äußerst breitrandiges Exemplar in seinem ersten Einband.

Contemporary German blind-tooled brown goatskin over thin pasteboards, flat spine with three raised double-bands, remains of two pairs of green ties. Bound by Kyriss shop 87 “Jagd-Rolle III“, Augsburg, see plate 177, no. 4 & 5. Small defects to foot of spine and two corners, hinges slighty rubbed. Light marginal waterstain in some leaves. A fine, wide-margined copy. “The November 1508 edition is an Aldine of no little interest. Its most significant feature for the bibliographer is that it carries the first public announcement in a colophon of the partnership of Aldus and Andreas Torresani, over a dozen years after that partnership had been established, and nearly three years after Aldus moved his residence and establishment to the Torresani home on the Campo San Paternian. (...) The reason for the Pliny’s textual importance is the ancient manuscript from Paris, or at least from France, which Aldus used (...)“ Fletcher: New Aldine Studies, p. 112. “Based on an imperfect Italian manuscript-tradition, the early editions of the letters of Pliny the Younger contained only the first seven books and book nine. But by about 1500 rumours of an important new source in France were beginning to circulate. (…) Aldus got the original codex into his hands and printed the complete text. (… So) Aldus had taken part in a significant antiquarian discovery, and had broadcast its results on his presses. This was what he had longed to achieve, and the feeling of exhilaration in his preface ist unmistakable.” Lowry: The World of A.M., p. 244-5. “The FIRST COMPLETE EDITION with all the correspondence with Trajan (and the Panegyricus).“ Sandys II, p. 99. Pliny’s letters include descriptions of the destruction of Pompeii and Herculaneum. With all the correspondence with Trajan, including the famous letters of the treatment of the Christians in his province, and with the Panegyric of Trajan. “...Aldus had a gift for making a compact of all the qualities, intellectual and physical, that make up a book, by giving to each its proper and appropriate degree of attention, so that the whole became an integral sum of perfected parts.“ (Nicolas Barker: A.M. and the Development, p. 102).

Renouard 53,3 – Ahmanson-Murphy 82 – Ambiente veneziano 117 – Firmin-Didot Ss. 304-311 – Adams P1536 – Schweiger II,ii,803 & II,ii,619 (Obsequens) – Isaac 12819 – Ebert 17341 – Brunet IV,721 – Graesse V,343. ❦ Bibliographische Angaben zu diesem Buch: soweit verfügbar werden zuerst Personalbibliographien angeführt, dann Sachbibliographien und allgemeine.

 
 

Abbildung zu No. 1000Plinius Caecilius Secundus, Gaius

Text