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Lactantius, Lucius Caecilius Firmianus:
Divinarvm Institvtionvm libri septem proximè castigati, et ...

 

 

Abbildung eins zu No. 1500, Lactantius, Lucius Caecilius Firmianus

 

Abbildung zwei zu No. 1500, Lactantius, Lucius Caecilius Firmianus

 

Aldine in Wittenberger Meistereinband der Zeit

Lactantius, Lucius Caecilius Firmianus — Laktanz — Müller, Nikolaus (Buchbinder): Divinarvm Institvtionvm libri septem proximè castigati, et aucti. Eivsdem De ira Dei Liber I. De opificio Dei Liber I. Epitome in libros suos, liber acephalos. Phoenix. Carmen de dominica resurrectione. Item Index in eundem rerum omnium. Tertvllinani liber apologeticus cum indice.

Venedig: Paulus Manutius, 1535.  Octavo. 162 x 98 mm. [12], [4]; 328, [12]; 48; [44] Blätter, incl. Index). – Lagenkollation: aa8, bb4, *4; a-z8, A-T8, V4; X-Z8, AA-CC8; DD12, EE-HH8 (foll. VV3+4 & CC8 weiß). – Wasserzeichen: Gegenmarke „A“, außer Lage FF. ❦ Werden nach den Formatangaben Maße in Millimetern genannt, beziehen sich diese auf die Blattgrößen, Höhe vor Breite, i. A. gemessen in den Buchblockmitten. Mit Holzschnittdruckermarke Fletcher Nr. 9 auf Titel und am Schluß.

Handgefertigter blindgeprägter Schweinsledereinband der Zeit (177 x 118 x 59 mm) auf vier Doppelbünden und Holzdeckeln, zwei Messingschließen, deren bewegliche Teile fachmännisch wie stilgerecht ergänzt. Auf dem Vorderdeckel außen eine signierte Rolle mit Salvator „Data est mi|hi omnia“ - David „De frvctv | ventris“ - Paulus „Apparvit be|nignitas“ - Johannes N M „Ecce agnv | Dei qvi tol“ (199 x 15 mm, Haebler I,299,2); mittig eine Platte mit Kruzifix „Et sicvt Moses exaltavi | serpentem in deserto“ (78 x 42 mm, datiert unten mittig auf dem Stein 1556, wohl identisch mit Haebler II,32,II). darüber oben „Vnivers“, unten „Witt 1561“. Auf dem Hinterdeckel Auferstehung „Abolita victor rediviv | morte trivmphat part“ (76 x 41 mm, wohl identisch mit Haebler II,32,III). - „Nikolaus Müller gehört zu den bedeutendsten Buchbindern Wittenbergs im ausgehenden Jahrhundert.“ Haebler I, S. 301. Er arbeitete u.a. für den Kurfürsten August von Sachsen. ❦ Werden innerhalb der Einbandbeschreibungen die Einbandgrößen angeführt, so steht Höhe vor Breite vor Dicke.
An dieser Stelle befindliche bibliographische Angaben beziehen sich auf den Buchbinder bzw. den Einband.

Das Exemplar der Universität zu Wittenberg, die 1502 begründet wurde; zwischen den Jahren 1512 und 1547 war die Schloßbibliothek für sie zuständig. „Avec une préface de P. Manuce pour Lactance, et une de G.B. Egnatio pour Tertullien. Très bonne édition, bien supérieure à celle de 1515 ...“ (Renouard). „Neue Recension von Honoratus Fasitelius aus Manuscripten, alten Ausgaben und bisweilen aus (sehr umsichtiger) Conjectur. Die Capitelabtheilungen sind hier wieder weggelassen“ (Ebert). „Diese Verbesserung [dieser Ausgabe im Vergleich zur vorigen von 1515] ist aus Handschriften des Klosters Monto Casino geschehen“ (Hamberger II, S. 683). Mit einigen Textpassagen in der vierten griechischen Aldus-Type, die auf fol. T3r bis V2v. wiederholt und mit lateinischer Übersetzung von Marcus Musurus versehen sind.
 Fascitellus (1502-1564) war Benediktiner-Mönch in Monte Cassino; 1551 wurde er von Julius II. zum Bischof von Isola in Calabrien gemacht, er war Teilnehmer am Tridentinischen Konzil. Seine Laktanz-Ausgabe diente mehreren späteren als Vorlage. Zum Kolophon siehe Fletcher S. 76.
 Der Rhetoriklehrer Laktanz (ca. 250 - wohl 325), wohl ein Schüler des Arnobius und von Diokletian nach Nikomedia in Bithynien berufen, legte 303 zu Beginn der diokletianischen Christenverfolgung dies Lehramt nieder und wurde Apologet. Um 315 wurde er von Konstantin als Lehrer des Crispus nach Gallien (Trier?) berufen.
 Als Theologe ist Laktanz rückständig, Anhänger chiliastischer Eschatologie, Vertreter eines dualistischen Welt- und Menschenbildes, dessen Gottesbegriff von der römischen Vorstellung eines ’pater familias’ und ’imperator’ geprägt ist. Er ist kein Anhänger der Trinitätslehre: eine vom Gottessohn getrennte dritte Person des Heiligen Geistes ist ihm unbekannt; er kombiniert jedoch christliches Gedankengut mit platonistisch-gnostischen Einflüssen und zitiert als erster römischer Christ ausgiebig die pagane Literatur, was er theoretisch in Div. inst. V,1-4 begründet. Sein Anspruch ist literarisch, er möchte die heidnischen Gegner auf ihrem Niveau erreichen. Als Ciceronianer benutzt er, sowohl polemisch wie aneignend, häufig Vergil, Lukrez, Seneca u.a. - daneben den „Asclepius“, wodurch uns einige von dessen Textpassagen im griechischen Original überliefert sind, und auch ’Offenbarungsliteratur’ wie z.B. die Sibyllen. Das Neue Testament spielt unter seinen Zitaten eine nur untergeordnete Rolle; die klassische griechische Literatur kennt er wohl bloß mittelbar. Die Dichter werden von ihm nicht, wie durch die früheren Christen, abgelehnt, sondern er rechtfertigt z.B. die Allegorie in Div. inst. I,5,1 & IV,5,4 als ’officium poetae’. Von der Kirche als Häretiker eingestuft, entfaltet er erst in der Renaissance als ’Cicero Christianus’ seine Wirkung.
 Das berühmte Kapitel über den Wein „Quod Noe fuit inventor vini“ (II,13) hier auf fol. 68 sq., vgl. Simon: Bacchica, Nr. 389: „Mais le passage le plus savoureux est celui du chapitre XXII du Livre I, ’De falsa religione’, celui où l’auteur commente le droit que le mari avait, à Rome, d’interdire le vin à son épouse.“

Einband leicht fleckig, stellenweise leicht berieben. Verfassername von zeitgenössischer Hand auf den Vorderschnitt kalligraphiert. Innen nur vereinzelt im weißen Rand minimal stockfleckig, circa vier Seiten etwas fleckig, wenige saubere Unterstreichungen einer alten Hand; Lage FF wie üblich papierbedingt leicht gebräunt. Ein schönes, frisches und breitrandiges Exemplar in zeitgenössischem Wittenberger Meistereinband.

Contemporary German blindstamped pigskin over wooden boards, four raised double-bands, two clasps, catches renewed, bound by Nikolaus Müller of Wittenberg. Binding slightly rubbed. As usual, quire FF lightly browned due to quality of paper. From the library of the University of Wittenberg.
 The Opera of the Christian apologist Lactantius (?250-?325), the Christian Cicero, who propagandized in Africa and Italy. He was a pupil of Arnobius and native of the province Africa. He received an appointment as professor of rhetoric from Diocletian, and spent part of his life at Nicomedia in Bithynia, and when old he was appointed by Constantine to educate the Prince Crispus in Gaul. His works include ’De opificio Dei’, which contains a description of the body and soul of man, and is a sort of supplement to the fourth book of Cicero’s ’De re publica’; ’The Divine Institutes’, greatest of all his works, which was written against two opponents of Christianity and is a comprehensive survey of the arguments then available in favour of the new religion; ’De ira dei’, an able discussion of the problem with which it deals, correcting the false conclusions of the chief philosophical schools. ’De ave Phoenix’ is a medley of heathen and Christian elements, and generally believed genuine. Included is the Liber apologeticus of Tertullian. The edition is based upon manuscripts found in the Monastic Library of Monte Cassino. With prefaces of Paulus Manutius and his friend, the humanist, Ioannes Baptist Egnatius. - A fine copy of this important Aldine edition in an attractive contemporary German binding.

Renouard 113,2 – Adams L22 – BM STC 366 – Hamberger II,682 – Ebert 11603 – Brunet III,736. ❦ Bibliographische Angaben zu diesem Buch: soweit verfügbar werden zuerst Personalbibliographien angeführt, dann Sachbibliographien und allgemeine.