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Biblia latina:
Biblia cum postillis Nicolai de Lyra

 

 

Abbildung eins zu No. 5602, Biblia latina

 

Abbildung zwei zu No. 5602, Biblia latina

 

Zweispaltiger Satz in Text und Kommentar

Biblia latina: [Biblia cum postillis Nicolai de Lyra et expositionibus Guillelmi Britonis in omnes prologos p. Hieronymi et additionibus Pauli Burgensis replisque Matthiae Doering. – Davon Teil drei:] Incipit p(ro)logus in Esaiam p(ro)phetam.

Nürnberg: Anton Koberger, III. Non. Dec. [= 3.12.] 1487.  Folio. 301 x 208 mm. [348] Bll. – Lagenkollation: AA-GG10, HH12, II-MM10, NN12, OO8, PP-TT10, UU-XX6, YY-ZZ10, AAA-FFF10, GGG-HHH8, III-MMM10, NNN8. ❦ Werden nach den Formatangaben Maße in Millimetern genannt, beziehen sich diese auf die Blattgrößen, Höhe vor Breite, i. A. gemessen in den Buchblockmitten.

Wenig späterer Schweinslederband auf vier Doppelbünden mit Blindprägung und dem Supralibros des Klosters Göttweig. Handgestochene Kapitale, rotgefärbter Schnitt, zwei Schließen. Die Rolle „Ivsticia/Cognicio/Prvdencia/Caritas“ (162 x 18 mm, eher 164 x 17-18 mm) bei Haebler II, 221 unter Melk 1, auch auf einer Incunabel, was eine Werkstatt in dieser Gegend annehmen läßt, die für beide Klöster gebunden haben mag, oder für das Wandern der Rollen spricht. ❦ Werden innerhalb der Einbandbeschreibungen die Einbandgrößen angeführt, so steht Höhe vor Breite vor Dicke.
An dieser Stelle befindliche bibliographische Angaben beziehen sich auf den Buchbinder bzw. den Einband.

Zu Nikolaus von Lyra (um 1270 bis 1349) siehe LThK2 7, 992 sq.; dieser berühmte Exeget und Doctor planus oder utilis kommentierte fast die ganze Heilige Schrift, wobei er den Unterschied zwischen Literal- und mystischem Sinn richtig erkannte. Um jeweils den Literalsinn zu finden, bezog er auch die Werke jüdischer Exegeten in seine Textarbeit ein; dies und die Knappheit im Vergleich zu den mittelalterlichen Schriftauslegern lassen ihn zum Bindeglied zur Moderne werden. Die oftmals gedruckte Postille wurde von Paulus von Burgos in seinen 1100 Additiones kritisiert, gegen die wiederum Matthias Doering seine 400 Repliken Defensorium Postillae schrieb, die hier beide zum Großteil mit abgedruckt sind.
 Zweispaltiger Satz, der in Text und herumgeführten Kommentar gegliedert ist, mit Kolumnentiteln und 56 bzw. 72-73 Zeilen pro Seite; Typen: 7:83G mit 8:84G gemischt, 9:165G, 12:64G. Eine goldgehöhte Initiale auf Blatt AA1r; die Initialspatien mit rot und blau eingezeichneten Initialen versehen, sowie durchgehend rot rubriziert, all dies von zeitgenössischer Hand. Mit sechzehn teils ganzseitigen Holzschnitten. Diese sind verkleinerte Neuschnitte der in Nicolaus von Lyra: Postillis super biblia. Nürnberg: Koberger, 1481 abgedruckten. Bei den verschiedenen Bibelausgaben Kobergers von 1485, 1487, 1493 und 1497 mit diesem Kommentar handelt es sich, wie am Schriftbild ersichtlich, jeweils um vollständigen Neusatz; cf. Dr. Hans Volz: Bibel und Bibeldruck in Deutschland im 15. und 16. Jahrhundert. Mainz, 1960. pp. 14-15, mit Abbildung, cf. p. 10.

Einband stellenweise etwas berieben und minimal fleckig, sonst sehr gut erhalten; das Leder von ausgezeichneter Qualität, sehr weich und glatt. Das Gold der Initiale auf AA1r in der Mitte etwas berieben, erstes Blatt etwas fleckig, vorn bisweilen leichter Wasserrand im Innenfalz. Manchmal vom Rand her kommend ganz leicht stockfleckig; wenige Blatt aufgrund der Papierqualität besonders im Text etwas gebräunt, von TT3 - BBB2 ein kleiner hellbrauner Fleck in der oberen Ecke des weißen Randes; YY3 mit einer v.a.H. ausgebesserten Stelle fast ganz im weißen Rand; letzte Blatt etwas fleckig und wurmstichig. Ein schönes, überwiegend weißes und sauberes Exemplar in seinem ersten Einband, in der Größe dem der British Library vergleichbar.
Provenance: 1. Kloster Göttweig, Supralibros und handschriftlicher Eintrag auf AA1r. Vgl. Kirchenlexikon. Freiburg: Herder, 1888 und LThK2 IV, 1145 sq. - 2. Leo Ritter, Berlin, mit Sammlerstempel auf dem vorderen fliegenden Blatt recto oben. Insgesamt ein sehr frisches und schönes Exemplar in einem hervorragenden Einband.

Nearly contemporary blindstamped pigskin over wooden boards, four raised bands. Part three of the four vols of the Latin Bible with commentaries by Lyra et al. In good condition.

GW 4289 – Hain-C. 3167 – BMC II, 431 (mit der Blattgröße 300 * 210 mm) – Proctor 2060 – Schreiber 3473 – Pellechet 2346 – Census p. 46 und 231 – Voullième: Berlin 1728 – Schramm: Der Bilderschmuck der Frühdrucke. Band XVII, p. 3 sq. – Schramm: Die illustrierten Bibeln der deutschen Inkunabeldrucker. Leipzig, 1922. p. 20 sq. und Abb. 27-30.
Die Abbildungen stammen aus meinem Katalog Nr. 2 und geben nicht den originalen Zustand wieder! ❦ Bibliographische Angaben zu diesem Buch: soweit verfügbar werden zuerst Personalbibliographien angeführt, dann Sachbibliographien und allgemeine.