Startseite
 
Aldus-Drucke
Einbände
Handschriften
Kelmscott Press
Erotica
Illustration
Quodlibet

Duodo-Einband
Theocriti aliorumque poetarum idyllia. Eiusdem Epigrammata.

 

 

Abbildung zu No. 154, Theokrit

 

Theokrit: Theocriti aliorumque poetarum idyllia. Eiusdem Epigrammata. Simmiae Rhodii Ovum, Alae, Securis, Fistula. Dosiadis Ara. Omnia cum interpretatione Latina.

Genf: Henri II Estienne, 1579.  Sedecimo. 116 x 73 mm. [16], 447, 63, 128 Seiten. – Lagenkollation: *8; a-z8, Aa-Ee8, aaa-mmm8. ❦ Werden nach den Formatangaben Maße in Millimetern genannt, beziehen sich diese auf die Blattgrößen, Höhe vor Breite, i. A. gemessen in den Buchblockmitten. Mit Holzschnittdruckermarke und Holzschnittzierleisten.

Auf Rücken und Deckeln reichvergoldetes rötlich braunes Maroquin um 1595 mit dem Titel „DI GEST. PARS 7.“ im mittleren Oval des glatten Rückens. Die Deckel mit einem äußeren Rahmen aus Palmen- und Lorbeerzweigen, dazwischen kleinen fünfzackigen Sternen innerhalb von außen drei, innen zwei Linien. Das rechteckige Mittelfeld aus waagrecht drei, senkrecht fünf hochstehenden Ovalen mit verschiedenen Blumen; das etwas größere zentrale Oval trägt vorn das Wappen mit drei Lilien auf geschwungenem Band; hinten einen kleinen Hügel, dem eine Lilie mit drei Blüten entspringt, dort oben herum das Motto: „EXPECTATA NON ELVDET“; zwischen den Ovalen kleine fünfzackige Sterne und Blüten. Der Rücken mit entsprechendem Rahmen und fünf übereinanderstehenden Ovalen gleicher Art. Die alten Bünde wie bei Nicolas Rauch: Catalogue I zu n° 120 und Paul Needham: Twelve Centuries of Bookbindings, p. 304 beschrieben jeweils im Innendeckel mittels dreier in den Deckel gebohrter Löcher kreuzweise verknotet befestigt. Einbandgröße: 125 x 87 mm. Goldschnitt. ❦ Werden innerhalb der Einbandbeschreibungen die Einbandgrößen angeführt, so steht Höhe vor Breite vor Dicke.
An dieser Stelle befindliche bibliographische Angaben beziehen sich auf den Buchbinder bzw. den Einband.

Renouard: „Petit volume estimé, et à juste titre. (... ) Faite sur l’in-folio de 1566, cette réimpression a l’avantage de quelques corrections dans le texte.“ – Dibdin: „First critical edition of Th.“ Dem Rückentitel zufolge war ursprünglich Digestorum pars septima. (= Lib. XXXXV-XXXXX) Lyon: Guillaume Rouille, 1571, ebenfalls in 16mo (= Adams J595) im Einband enthalten.
 Zum Einband: Y. Devaux: Dix siècles de reliure. p. 109 – Needham: Twelve Centuries of Bookbindings. n° 98 – Hobson/Culot: Italian & French 16th-Century Bookbindings. n° 68. – Olivier 65.
 Die Zuschreibung mittels des kleinen Vasenstempels auf einigen der Duodo-Bände an das benannte Pariser ‚Atelier de la seconde Palmette‘ durch Breslauer (Cat. 104 zu n° 195) bezieht sich auf Hobson II, p. 63, n° 192 sowie n°° 102, 139, 175, 181 & 182; dies war die wichtigste Buchbinderwerkstatt, die von 1590 an ‚à la fanfare‘ band.
 Um 1830 Remboîtage des o.g. Titels in diese Einbanddecke, wobei der Buchblock auf vier versenkte Bünde neu geheftet, die Vorsätze mit Antik-Marmor erneuert und die Kapitale aus gelber Seide neu gestochen wurden.
 Provenienz des Einbandes: 1. Pietro Duodo (1554-1611) war Gesandter Venedigs in Savoyen, 1588 in Polen, in den Jahren 1594-97 am Hofe Heinrichs IV, danach in Prag, London und dem Vatikan. Von 1607 bis 1610 war er Gouverneur von Padua, wo er auch die ‚Academia Delia‘ gründete. Er ließ sich etwa 150 Bände, meist im kleinen Format, innerhalb kurzer Zeit bei einer einzigen Werkstätte binden, wohl dem Pariser ‚Atelier de la seconde Palmette‘, in dem ab 1590 die schönsten Fanfare-Einbände hergestellt wurden.
 Duodos Einbände sind nahezu einheitlich mit einem die Fläche vollständig bedeckenden Design vergoldet, das teils achsensymmetrisch, teils symmetrisch zum Deckelmittelpunkt aus meist 14 bzw. 16 ovalen Einzelstempeln mit verschiedenen Blumen besteht. Die Farbe des Maroquins steht für Sachgebiete: gelb für wissenschaftliche, medizinische und botanische Texte; rot für religiöse, philosophische, juristische und historische; oliv für die Literatur. Der Vorderdeckel trägt stets zentral das Wappen, drei Lilien in einem abwärts gebogenen Band, welches lange Zeit Marguerite de Valois zugeschrieben wurde, wohl weil ihre von Clovis Eve gebundenen Bände ein ähnliches „semis de Marguerites“ aufweisen. Auf dem Hinterdeckel an gleicher Stelle in ovalem Feld eine dreiblütige Lilie auf kleinem Hügel sowie oben das Motto „Expectata non eludet“. Doch selbst dies Motto wirft Schwierigkeiten auf. Rauch: Catalogue 1, p. 34 übersetzt: „Elle ne manquera pas au rendez-vous“. Besser erscheint: „Er wird den erwarteten (Dingen) nicht ausweichen“. Um die wiederholten oval gerahmten Blütenstempel zieht sich außen stets ein Rahmen aus Palm- und Olivenblättern.
 Duodos Einbände amalgieren Elemente des damals in Paris üblichen Stils: das semé aus ovalen Lorbeer-Umgrenzungen, kleine Blumen-Stempel und die Rahmen-Stempel aus Zweigen; diese Stempel erscheinen jedoch feiner als ähnliche der Zeit, wie z.B. jene auf für Nicolas de Villars gebundenen Werken. (Cf. Rauch: Brunschwig, 368).
 Seine Bibliothek blieb für 200 Jahre in Paris, ehe sie nach und nach in den Handel gelangte; ob sie je in die Hände des Auftraggebers kam, ist darum zweifelhaft. Es sind heute 90 Editionen in 133 Bänden als solche aus Duodos Besitz identifiziert; 46 rühren aus den Gebieten Theologie, Philosophie, Geschichte und Jurisprudenz, 15 aus Medizin und Botanik, 72 aus der Literatur.
 Zweite Provenienz: Exlibris auf vorderem Spiegel oben: „EX LIBRIS Douglas Maxwell Moffat“ – Buchblock: Griechisches Motto auf dem Titel oben: „Ek tôn tollis.“
 Es sind in diesem Band auch die Gedichte von Bion, Moschos und Simmias enthalten, ferner orphische Fragmente, Linus u.s.w., Ausonii Idylle, De vita humana, eine Elegie des Properz (II,2) mit griechischer Übersetzung von Estienne selbst, sowie „In Virgilianas & Nas. imitationes Theocriti, Observationes H. Stephani“. Bemerkenswert, daß statt der Digesten ein Titel eingebunden wurde, der sehr wohl von Größe wie Art in Diodos Bibliothek paßt, bestand sie doch aus italienischen oder griechischen bzw. lateinischen Ausgaben in 12mo oder 16mo.

Einband an Vordergelenk, drei Ecken und den Kapitalen restauriert, sonst wohlerhalten. Innen nur vom Rand her minimal gebräunt, das Titelblatt etwas angestaubt bzw. fleckig, letzte Blatt mit leichtem Wasserrand.

Estienne’s important edition of Theocritus, the greatest Alexandrian poet, and of the other Greek bucolic poets, Bion and Moschus. Estienne based the text on that of his own ’Poetae Graeci Principes’ of 1566, and took the opportunity of making corrections in the text. Besides the bucolis poets the edition includes the figure-poems (Technopaignia) of Simmias of Rhodes, these are typographically arranged in the shape of the object which they describe and after which the are named: Egg, Wings, Axe. Also included is Henri Estienne’s Greek version of Propertius II,12, and his Observations on the Virgilian and Ovidian imitations of Theocritus.

Renouard 147,1 – Adams T473 – Hoffmann III,667 sq. – Schreiber 206 – Dibdin II,486.
Die Abbildung stammt aus meinem Katalog Nr. 9, ist nachträglich bearbeitet und gibt nicht den originalen Zustand wieder! ❦ Bibliographische Angaben zu diesem Buch: soweit verfügbar werden zuerst Personalbibliographien angeführt, dann Sachbibliographien und allgemeine.