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Fraktur

Fraktur – eine der gebrochenen Schriften, zu denen auch Textur und Schwabacher gehören. Ihre kalligraphiſche Vorlage wurde wohl von Vinzenz Rockner, einem Sekretär von Maximilian I., oder Leonhard Wagner entwickelt; die erſten Drucke in ihr ſtammen vom Augsburger Buchdrucker Hans Schönſperger: Diurnale 1514, Theuerdank 1517. Weſentlich zu ihrer Entwicklung beigetragen haben im 18. Jahrhundert Johann Gottlob Immanuel Breitkopf (1719-1794) und Johann Friedrich Gottlieb Unger (1753-1804). Die Typen zeichnen ſich durch Verwendung des langen ſ – nicht zu verwechſeln mit dem kleinen f – und die von Ligaturen aus.

Als ich ſtudierte, war ich Mitglied der Wiſſenſchaftlichen Buchgeſellſchaft und habe das kleine, warnende ‚F’ für Fraktur in deren Katalogen eigentlich für überflüſſig angeſehen. Dieſe Haltung nehme ich auch heute noch ein: ich weiſe in meinen Titelaufnahmen nicht auf Schrifttypen hin, es ſei denn, ſie ſind beſonders ſchön. Kollegen, die mit Floskeln wie „alte deutſche Schrift“ und ähnlichem hauſieren gehen, ſind abſchreckend – und ſelbſt die Ausſage iſt falſch, denn in ganz Europa wurden gebrochene Schriften geſchnitten und verwandt.

Langſam, u. a. durch die Möglichkeiten von CSS3, wird auch das Internetz ſich der überlieferten Schriftenvielfalt zuwenden. Wenngleich hier keine rechte Seitengeſtaltung wie im gedruckten Buch betrieben werden kann, iſt dies eine erfreuliche Entwicklung.

 

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